Das Museum Abteiberg wirft einen Blick auf seine Wurzeln

Das Museum Abteiberg wirft einen Blick auf seine Wurzeln „Von da an“: Temporäre Wiedereröffnung des Hauses an der Bismarckstraße vom 13. September bis 10. Dezember

 

Das Städtische Museum Abteiberg geht in diesem Jahr an seine Wurzeln zurück. Unter dem Titel “Von da an” zeigt das Museum im alten städtischen Museum an der Bismarckstraße 97, vom 13. September bis 10. Dezember ein Ausstellungsprojekt im Sinne eines Experiments, das an die Anfänge des Städtischen Museums erinnert. Museumsdirektorin Susanne Titz stellte gestern im Kulturausschuss das spannende Projekt vor, das als temporäre Wiedereröffnung des Städtischen Museums an der Bismarckstraße angekündigt wird. Am 13. September 1967 begann ein legendäres Programm im Städtischen Museum in Mönchengladbach. Der damals neue Direktor Johannes Cladders eröffnete seine Amtszeit mit der ersten großen Ausstellung von Joseph Beuys. Es war eine Schau von Objekten, die nicht wie Kunst sondern wie unerklärliche Relikte wirkten: Dinge, Fundstücke auf dem Boden, angelehnt an Wänden oder gestapelt in Vitrinen. Das Museum erschien als ein kulturhistorischer Lagerplatz.

 

Cladders und Beuys, der damit seine erste Museumsausstellung überhaupt eröffnete, nannte es einen Ort der Anthropologie. In den folgenden Jahren herrschten in den alten Museumsräumen in Mönchengladbach neue Begriffe für Kunst. Das Programm handelte von völlig veränderten Kunstbegriffen, zeigte dabei unter anderem die erste institutionelle Ausstellung von Carl Andre (1968), Fotoserien von Bernd und Hilla Becher (1968), Raumkonzepte von Künstlern wie Hanne Darboven, George Brecht, Robert Filliou (1969), Stanley Brouwn, Hans Hollein (Alles ist Architektur. Eine Ausstellung zum Thema Tod) (1970), Marcel Broodthaers (Film als Objekt. Objekt als Film 1971), Daniel Buren (1971, 1974), Blinky Palermo, Lawrence Weiner (1973), Gerhard Richter (1974) und John Cage (1978), die heute zu den wichtigsten Protagonisten der jüngeren Kunstgeschichte zählen.

 

50 Jahre danach will das Museum Abteiberg nun eine Ausstellung realisieren, die bewusst am historischen Ort stattfindet und die dortige Geschichte der Jahre 1967 bis 1978 thematisiert. Geplant ist ein Konzept, das den Originalschauplatz vergegenwärtigt. Es wird darum gehen, dem heutigen Publikum, das so oft über Radikalitäten der heutigen Kunst klagt, die radikal institutionskritischen Konzepte vergangener Zeiten zu vermitteln: die phänomenologische und strukturalistische Wende der bildenden Kunst und ihrer Wahrnehmung in den 1960er und 70er Jahren sowie die hieraus resultierende Vision einer neuartigen Identität von Museum. Cladders benannte sie 1968 in Anknüpfung an einen Begriff von Willem Sandberg als das ‘Antimuseum’. Aus dem damaligen Programm entwickelte sich das bauliche Konzept des Museums Abteiberg (Hans Hollein, ab 1972).

 

Die alten Räume werden Werke der damaligen Künstlerinnen und Künstler, Dokumentationen und Rekonstruktionen ihrer frühen Präsentationen zeigen. Der Grad der Rekonstruierbarkeit von Ausstellungsszenen und -atmosphären ist ein Experiment. Aufgrund konservatorischer Einschränkungen und teils nicht mehr verfügbarer Werke verbinden sich unterschiedliche Ebenen der Darstellung: Die Räume selbst spielen die zentrale Rolle für die Vergegenwärtigung, neben originalen Objekten werden Reproduktionsmedien verwendet. Das Konzept wird gemeinsam mit dem Kurator Antony Hudek und dem Künstler Olivier Foulon realisiert, im Dialog mit einigen damaligen Künstlern sowie mit Künstlern der jüngeren Gegenwart, deren Präsentationsideen eine Beziehung zwischen den Zeiten herstellen.

 Die leerstehenden Originalräume des Alten Museums in Mönchengladbach sind ein einmaliger Ort für die Auseinandersetzung mit Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Institution Museum. Weder das Museum Abteiberg noch ein anderes gegenwärtiges Museum könnte eine Einfühlung in die vergangenen Räume des 20. Jahrhunderts geben. Es ist ein Experiment zur rechten Zeit, da die internationale Forschung großes Interesse an der Vorgeschichte der heutigen Museumslandschaft entwickelt: Das Projekt in Mönchengladbach ist ein Vorhaben, das historische Museumsräume und visionäre Museumsbegriffe aufeinander prallen lässt. Die Herausgabe einer Publikation der Ausstellungen 1967 – 1978, betreut durch Susanne Rennert – ein langjähriges Desiderat der Forschung, das mit Unterstützung des Landschaftsverbands Rheinland gelang – ergänzt das Vorhaben. Das Gesamtprojekt wird gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes.

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